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     Chronik von Zechlinerhütte
 
 Die Chronik
 

Die Chronik aus der Edition Rieger können sie hier online bestellen. Nachfolgend finden sie einen Auszug aus der Chronik um ihnen einen kleinen Einstieg zu geben.

Über 150 Fotos und Dokumente aus der Geschichte
von Zechlinerhütte




ISBN: 3-935231-16-4

 
 Auszug aus der Chronik
 

Flecken Zechlin, Dorf Zechlin und Zechlinerhütte. Gleich dreimal Zechlin. Wen wundert es, dass manche Urlauber ihre Hebe Not haben, sich zurechtzufinden? Diese drei Gemeinden im Norden des Landes Brandenburg sind zwar räumlich getrennt, haben aber historisch betrachtet, eine enge Beziehung zueinander.

Welcher Ort war zuerst da? Die klassische Frage ist leicht beantwortet. Ohne Flecken Zechlin gäbe es wahrscheinlich kein Zechlinerhütte, dessen Geschichte erst vor 265 Jahren am Ufer des Schlabornsees begann. Von slawischen Siedlungen und Wüstungen einmal abgesehen, lebten in der Flachen Heide bis dahin kaum Menschen.

Hennert schreibt 1778: »Der Ort, wo diese weiße Glashütte jetzt stehet, war ehedem waldigt und unbewohnt...« Die Entstehung von Zechlinerhütte oder Weiße Glashütte, wie das Dorf früher hieß, ist demzufolge untrennbar mit der preußischen Wirtschaftsgeschichte verknüpft.

König Friedrich Wilhelm L, bekannt als Soldatenkönig, erließ am 7. April 1734 folgenden Befehl an die Kurmärkische Kammer: »Weil das Holz in der Kurmark nützlicher zu Gelde gemacht werden kann, so sollen alle Teerofens, Pottaschebrennereien und Glashütten nach der Neumark (jenseits der Oder) verleget werden: desgleichen soll die Kurmärkische Kammer überlegen, ob nicht die Potsdamer Glashütte, weil sie so viel Holz konsumieret nach der Neumark, etwa nach Carzig verleget werden können, auch Vorschläge zu tun, wie mehrcres Glas und für einen wohlfeileren Preis verfertigt werden könne.«

Die Kurmärkische Kammer reagierte umgehend und schlug vor, Pottasche-siederei und Glashütte im Zechlinschen Revier anzusiedeln. Diese Wahl erfolgte nicht zufällig, denn im Gegensatz zu vielen anderen Gegenden verfügten die hiesigen Wälder noch über einen ausreichend großen Holzvorrat. Im Mai 1735 meldete sich der Glasmacher David Heinrich Zahn und bot an, im Zechlinschen Kutschen- und Fensterglas zu fertigen. Der dortige Amtmann Siegfried Stropp wollte die Baukosten in Höhe von 10 200 Talern übernehmen.

Durch Kabinettsorder vom 7. Dezember 1735 sprach sich der König allerdings gegen den Bau einer Glashütte aus und begründete dies mit der besseren Nutzbarkeit des Holzes an dieser Stelle. Er wollte es hier günstiger und mit Vorteil versilbert wissen.
Dennoch befürwortete die Kammer am 15. April 1736 das von Zahn und Stropp unterbreitete Angebot. Am 1. Juni 1736 genehmigte der Monarch schließlich den Bau einer Kutschen- und Tafelglashütte zu Zechlin, lehnte aber zugleich einen Baukostenzuschuss kategorisch ab. Er sei nicht gewillt, »Geld auf dergleichen Ungewisse Sachen zu verspillern.« Drei Bewerber meldeten sich für die Zechliner Hütte. Der Berliner Glasschleifer- und händler Johann Moritz Trümper, der Potsdamer Krieger und der Zechliner Amtmann Stropp. An der am 19. September vorgelegten Order

an die Kurmärkische Kammer, worin der Abschluss eines Vertrages mit Krieger befohlen wird, hatte Friedrich Wilhelm 1. so einiges auszusetzen. Seiner Meinung nach sei »Kräger« ein Schelm und Cellin liege an der Oder; da kann man das Holz besser verkaufen.

Nachdem die Verwechslung mit Cellin ausgeräumt ist, befiehlt der König am 26. September 1736: »nach Zechlin, aber Kräger soll mit dem Amte nichts zu tun haben.« Am Heiligabend des Jahres 1736 wird der Vertrag mit Amtmann Stropp mit Datum vom 8. Oktober 1736 abgeschlossen.
Wesentlich sind folgende Punkte:

- Die neue Hütte soll für Feinkristall- und Kreiden als gemeine Gläser von
allerlei Sorten, wie auch insbesondere zu Kutschen- und Fenstertafeln
auf böhmische Art eingerichtet werden und zwar nach des Glasmachers
Zahn Probe.

- Der Amtmann Siegfried Stropp errichtet sie auf eigene Kosten nebst
allen Nebengebäuden und Wohnungen.

- Bis Trinitatis 1737 muss alles fertig sein.

- Die Pachtzeit ist auf 12 Jahre festgesetzt.

- Das Holz wird frei geliefert.

- Die Materialien und fertigen Glaswaren sind zollfrei.

- Die Einfuhrverbote sollen streng gehandhabt werden.

- Die Pacht für die Glashütte beträgt 620 Taler.

Vor allem aber wollte der König Preußen von Glasimporten aus dem habs-burgischen Böhmen freimachen. Termingerecht nahm die Manufaktur 1737 in der Flachen Heide »an der Tietzoischen Brücke« die Produktion auf und wurde als Weiße Glashütte über die Grenzen Preußens hinaus berühmt. Im Gegensatz zu anderen inländischen Hütten besaß sie das Recht, Kristall- und Farbgläser sowie vergoldete Gläser herzustellen.

1804 standen in der Zechliner Hütte neben einem Inspektor ein Vizewachtmeister, ein Hafentöpfer, ein Schürer, ein Röhrenschmied, 12 Glasbläser, 8 Glaspfleger und 4 Glasschleifer in Lohn und Brot (nach einem Bericht des Geheimen Rats Hermbstaedt).

Mit dem Jahr 1818 kam ein entscheidender Einschnitt. Die preußische Handelsgesetzgebung erlaubte die Einfuhr ausländischer Glaserzeugnisse, der Protektionismus fiel damit weg.
Weil nun unter dem Druck wachsender Konkurrenz nicht mehr rentabel gearbeitet werden konnte, musste die Familie Stropp 1823 die Hütte für rund 7500 Taler vom preußischen Staat kaufen, und in deren Besitz verblieb sie noch bis 1868.

Die zu Neige gehenden Brennstoffvorräte erzwangen 1866 die Einführung der Torfgasfeuerung. Noch heute sind in einigen Feuchtgebieten der näheren Umgebung die Torfstichparzellen gut zu erkennen und etliche Kleingewässer verdanken, wenn auch ungewollt, ihre Entstehung der Glasherstellung. Letztendlich konnte aber auch diese Investition den Niedergang nicht mehr aufhalten.

1868 kaufte die in Berlin ansässige Firma Rohrbeck die Hütte und stellte vor allem chemische Apparaturen her. Von 1878 bis 1884 ruhte die Produktion. 1885 erwarben die Gebrüder Behnfeldt aus Kleinzerlang den traditionsrei-chen Betrieb und wagten 1889 einen letzten, erfolglosen Versuch, sich auf dem Markt zu behaupten. Am 8. Mai 1890, nach 153 Jahren, kam das endgültige Aus.

Die Belange der Arbeiter und Anwohner der Zechliner Glashütte auf kom-munalpolitischer Ebene wurden in Gemeindeversammlungen beraten. Am 6. Oktober 1875 erhielt der Ort erstmals eine Gemeindevertretung. Sie be-stand aus dem Gemeindevorsteher, den Schöffen und aus drei gewählten Gemeinde Verordneten. Das Gesetz dafür stammte allerdings vom 14. April 1856.
Von 1876 bis 1881 war das Dorf am Schlabornsee Schauplatz einer land-schaftsverändernden Großinvestition. Natürliche Fliessgewässer wurden zu schiffbaren Kanälen ausgebaut und ins Wasserstraßennetz eingegliedert. Ent-sprechend hohe Brückenkonstruktionen machten für die Straßenanbindung beachtliche Erdarbeiten erforderlich. So mussten u.a. künstliche Erddämme in Bachniederungen aufgeschüttet werden.

1881 wurde die kleine, im neogotischen Stil erbaute Kirche geweiht. Am 1. Oktober 1884 erhielt Zechlinerhütte eine Postagentur. Über vier Ge-nerationen wurde sie von der Familie Tesch betrieben.
1886, als der Niedergang der Glashütte kurz bevorstand, errichtete Richard Seydack am jenseitigen Ufer eine Dampfschneidemühle in der zu Beginn etwa 40 Arbeiter ...

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